Ein paar Tipps zum Pressen

Am besten beginnst Du mit einer dünnen Walze, die ein ganz, ganz winziges bißchen (vielleicht insgesamt 1 mm) kürzer ist, als die Pressenvertiefung von Loch zu Loch. Ich mache das immer nach Gefühl, indem ich die Walze zwischendurch an die Presse anhalte, aber natürlich kann es mit dieser Methode vorkommen, daß die Walze plötzlich 1-2 mm zu lang ist. Falls Dir sowas passiert, vergiss die Form, die Du ursprünglich pressen wolltest und entscheide Dich für eine größere. Oder bleib bei einer Walze. Zu VIEL Glas in der Länge kann man nicht wieder wegnehmen und Du kannst nicht mehr ordentlich pressen. Wenn Du auf Nummer Sicher gehen möchtest, markierst Du die gewünschte Länge am besten ganz vorsichtig mit einem Filzstift auf dem beschichteten Dorn. Der Filzstift brennt in der Flamme weg, also falls Dein Trennmittel unbedingt vor der Benutzung durchgeglüht werden muss, mach das VOR dem Markieren!

Markierung Überprüfen

Für runde (oder annähernd runde) Formen wickele das Glas nun olivenförmig (viel in der Mitte, wenig an den Rändern) auf. Bei Formen, die eine ungleichmäßige Form haben (wie z.B. die Gitarre), kannst Du von Anfang an auf diese Form hinarbeiten. Aber nur ganz grob, man verschätzt sich da leicht. Wenn Du das Gefühl hast, eine gute Glasmenge aufgewickelt zu haben, presse zum ersten Mal. Wenn Dein Gefühl bei sowas trügerisch ist, kannst Du - auf etwas umständliche Art - die erforderliche Glasmenge ermitteln. Fülle die Pressenform mit Knete aus. Aus der Kneteperle machst Du wieder eine Kugel. Die rollst Du dann zu einer Wurst, die so dick ist, wie Dein Glasstab. Und die Länge dieser Knetewurst markierst Du mit einem Filzstifttupfer auf dem Glasstab. Grundsätzlich solltest Du eher etwas zu wenig als etwas zu viel Glas verwenden. Etwas hinzuzugeben ist wesentlich einfacher, als etwas wegzunehmen.

Olive

Du presst also zum ersten Mal. Presse immer so kurz wie möglich, so lange wie nötig. Ein zu langer Kontakt mit dem kalten Metall lässt das Glas schnell abkühlen und es kann springen.

Pressen

Nun schau Dir Deine fertige Form an. Wahrscheinlich fehlt noch etwas in den äußersten Teilen der Form. In den meisten Fällen erzielst Du die besten Ergebnisse, wenn Du neues Glas nur auf die Ober- und Unterseite (Pressflächen) gibst.

Mehr Glas

Wenn Du nun die komplette Perle wieder soweit erhitzt, daß das Glas formbar wird, drückt sich das Glas beim zweiten Pressvorgang in alle kleinen Ecken und Ausbuchtungen der Presse. So gelingen z.B. auch kleine Sonnenstrahlen. Wiederhole diesen Vorgang so oft, wie es nötig ist. Erst, wenn die Form fast perfekt ist, kannst Du gezielt kleine Fehlbereiche mit etwas Glas auffüllen und dann ein letzes Mal pressen.

Fertig

Falls die Länge der Perle zwar passt, aber Du zu viel Glas aufgewickelt hast, quillt Glas an den Seiten raus. Hier kannst Du Dir helfen, indem Du links und rechts jeweils etwas Glas mit der Pinzette abzupfst, alles wieder erhitzt und neu presst. Aber Vorsicht, das Glas muss zum Zupfen sehr weich sein, sonst beschädigst Du das Trennmittel.

Wenn Deine Perle fertig gepresst und fertig dekoriert ist, muss sie von allen Seiten sehr gut und gleichmäßig erhitzt werden, um Spannungen abzubauen. Die Perle muss NICHT glühen. Drehe und bewege sie gleichmäßig, so daß die Flamme überall hinkommt. Richte das Feuer zwischendurch auch auf die Vorder- und Rückseite (abwechselnd), dann wieder drehen. Vergiss nicht den Bereich rund um das spätere Loch. Den Dorn kannst Du ruhig mit erhitzen, so wird Wärme ins Innere der Perle geleitet. Wiederhole das alles so lange, bis Du das Gefühl hast, daß es gut ist. Verlass Dich ruhig auf dieses Gefühl, das kann man trainieren. Manche Perlen tempere ich recht lange in der Flamme, bei anderen hab ich nach einer halben Minute den Eindruck, daß es genug ist. Hör genau hin, was das Glas Dir zuflüstert.

Sollten noch Fragen zu den Pressen auftauchen, schreib mir einfach eine Mail an kati@kati-was-here.com!

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